Vorlesen am Abend

Meine Frau und ich haben drei Kinder. Im Gegensatz zu vielen anderen Eltern dürfen sie allerdings bei uns eigentlich nie fernsehen. Wenn es Sendungen gibt, die wir für geeignet erachten, werden die am iMac aufgenommen, von jeglicher Werbung, Vorankündigung und allem anderen Schnickschnack befreit und dann über unser AppleTV angesehen. Das funktioniert sehr gut, denn bislang sind unsere Kinder (mit Ausnahme des angebissenen Apfel-Logos) weitgehend markenfrei herangewachsen.

Das war aber eigentlich nur eine etwas weit ausgeholte Einleitung für das in der Überschrift angekündigte Thema, nämlich „Vorlesen am Abend“. Wo andere Eltern ihre Kinder gerne vor dem Fernsehgerät parken, lesen wir unseren Kindern gerne vor. Wir, also meine Frau und ich, sind mit Unmengen von Büchern groß geworden.

Ich bin als Jugendlicher in manch einem Roman geradezu versunken. Einmal habe ich mit am Karfreitag nach dem Frühstück mit „Der Schwarze Korsar“ von Emilio Salgari begonnen. Einige Stunden und ca. 500 Seiten später kam plötzlich meine Mutter ins Zimmer und schalt mich, weil ich den Karfreitagsgottesdienst verpasst hatte. Ich hatte in der Tat jegliches Zeitgefühl verloren. Weil die Geschichte so spannend war, hatte ich auch meinen Hunger völlig vergessen.

Diese Faszination am Lesen wollten und wollen wir unseren Kindern unbedingt vermitteln. Bei unserem Ältesten hat es ganz gut geklappt: Mit fünf Jahren lernte er an meinem iPad das Lesen, seitdem ist kein Buch mehr vor ihm sicher. Auch er legt sich oft einfach auf den Fußboden in seinem Zimmer, um dann stundenlang in einem guten Buch zu „versinken“.

Unsere Mittlere lernt gerade Stück für Stück das Lesen, noch ein paar Wochen, dann kann sie es auch. Ihr und unserer Jüngsten lesen meine Frau und ich häufig am Abend vor (unserem Großen übrigens auch, er genießt es, mit meiner Frau in ihre Kindheitsklassiker einzutauchen). Dabei gibt es neben einigen von Freunden, Bekannten und Verwandten geschenkten Büchern auch etliche Klassiker, die wir — weil sie halt einfach sooo gut sind — auch selbst immer wieder gern in die Hand nehmen.

Dazu zählen zum Beispiel die Bücher von James Krüss: „Henriette Bimmelbahn“, „Die ganz besonders nette Straßenbahn“, „Der blaue Autobus“, „Ich wär' so gerne Zoodirektor“ und „Der kleine Doppeldecker“. Die Kombination aus lustigen, teilweise makabren Reimen voller Fantasie und Wortwitz und den tollen Bildern von Lisl Stich hält uns und unsere Kinder gleichermaßen gefangen.

Und da gibt es noch so viel mehr. Jetzt paraphrasiere ich mal eine Ikone meine Kindheit, Peter Lustig: „Einfach den Fernseher abschalten!“ — und ergänze: „Dafür ein Buch aufschlagen!“

Es warten unzählige Welten darauf, entdeckt und „erlesen“ zu werden… Viel Spaß dabei!

P.S.: Gerade hatte ich ja schon geschrieben, dass mein Sohn das Lesen am iPad gelernt habe. Das war keine Übertreibung, denn mit der App „Erstes Lesen, erstes Schreiben“ (damals ca. 1,59 €) konnte er die Buchstaben sehen, hören, ihre Form nachfahren und sie zu Wörtern kombinieren. Das half und motivierte.

P.P.S.: Ich lese mittlerweile lieber am iPad als aus einem normalen Buch, denn so kann ich permanent meine umfangreiche Bibliothek bei mir tragen. Ich lege mich nicht beim Verlassen des Hauses auf ein Buch fest, denn ich habe immer alle dabei! Ich kann — ohne die Bücher dabei zu verschandeln, was mir ein absoluter Graus ist — Notizen anbringen, diese später sogar wiederfinden, und das iPad wiegt deswegen nicht mehr. Müsste ich alle Bücher in Papierform mit mir herumschleppen, wäre das kein Spaß mehr.

P.P.P.S.: Und dennoch liebe ich den Geruch, den ein aufgeschlagenes Buch in meinen Händen verströmt. Der ist und bleibt unvergleichlich!

Advertisements
Getaggt mit , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: