Archiv für den Monat März 2013

Vorlesen am Abend

Meine Frau und ich haben drei Kinder. Im Gegensatz zu vielen anderen Eltern dürfen sie allerdings bei uns eigentlich nie fernsehen. Wenn es Sendungen gibt, die wir für geeignet erachten, werden die am iMac aufgenommen, von jeglicher Werbung, Vorankündigung und allem anderen Schnickschnack befreit und dann über unser AppleTV angesehen. Das funktioniert sehr gut, denn bislang sind unsere Kinder (mit Ausnahme des angebissenen Apfel-Logos) weitgehend markenfrei herangewachsen.

Das war aber eigentlich nur eine etwas weit ausgeholte Einleitung für das in der Überschrift angekündigte Thema, nämlich „Vorlesen am Abend“. Wo andere Eltern ihre Kinder gerne vor dem Fernsehgerät parken, lesen wir unseren Kindern gerne vor. Wir, also meine Frau und ich, sind mit Unmengen von Büchern groß geworden.

Ich bin als Jugendlicher in manch einem Roman geradezu versunken. Einmal habe ich mit am Karfreitag nach dem Frühstück mit „Der Schwarze Korsar“ von Emilio Salgari begonnen. Einige Stunden und ca. 500 Seiten später kam plötzlich meine Mutter ins Zimmer und schalt mich, weil ich den Karfreitagsgottesdienst verpasst hatte. Ich hatte in der Tat jegliches Zeitgefühl verloren. Weil die Geschichte so spannend war, hatte ich auch meinen Hunger völlig vergessen.

Diese Faszination am Lesen wollten und wollen wir unseren Kindern unbedingt vermitteln. Bei unserem Ältesten hat es ganz gut geklappt: Mit fünf Jahren lernte er an meinem iPad das Lesen, seitdem ist kein Buch mehr vor ihm sicher. Auch er legt sich oft einfach auf den Fußboden in seinem Zimmer, um dann stundenlang in einem guten Buch zu „versinken“.

Unsere Mittlere lernt gerade Stück für Stück das Lesen, noch ein paar Wochen, dann kann sie es auch. Ihr und unserer Jüngsten lesen meine Frau und ich häufig am Abend vor (unserem Großen übrigens auch, er genießt es, mit meiner Frau in ihre Kindheitsklassiker einzutauchen). Dabei gibt es neben einigen von Freunden, Bekannten und Verwandten geschenkten Büchern auch etliche Klassiker, die wir — weil sie halt einfach sooo gut sind — auch selbst immer wieder gern in die Hand nehmen.

Dazu zählen zum Beispiel die Bücher von James Krüss: „Henriette Bimmelbahn“, „Die ganz besonders nette Straßenbahn“, „Der blaue Autobus“, „Ich wär' so gerne Zoodirektor“ und „Der kleine Doppeldecker“. Die Kombination aus lustigen, teilweise makabren Reimen voller Fantasie und Wortwitz und den tollen Bildern von Lisl Stich hält uns und unsere Kinder gleichermaßen gefangen.

Und da gibt es noch so viel mehr. Jetzt paraphrasiere ich mal eine Ikone meine Kindheit, Peter Lustig: „Einfach den Fernseher abschalten!“ — und ergänze: „Dafür ein Buch aufschlagen!“

Es warten unzählige Welten darauf, entdeckt und „erlesen“ zu werden… Viel Spaß dabei!

P.S.: Gerade hatte ich ja schon geschrieben, dass mein Sohn das Lesen am iPad gelernt habe. Das war keine Übertreibung, denn mit der App „Erstes Lesen, erstes Schreiben“ (damals ca. 1,59 €) konnte er die Buchstaben sehen, hören, ihre Form nachfahren und sie zu Wörtern kombinieren. Das half und motivierte.

P.P.S.: Ich lese mittlerweile lieber am iPad als aus einem normalen Buch, denn so kann ich permanent meine umfangreiche Bibliothek bei mir tragen. Ich lege mich nicht beim Verlassen des Hauses auf ein Buch fest, denn ich habe immer alle dabei! Ich kann — ohne die Bücher dabei zu verschandeln, was mir ein absoluter Graus ist — Notizen anbringen, diese später sogar wiederfinden, und das iPad wiegt deswegen nicht mehr. Müsste ich alle Bücher in Papierform mit mir herumschleppen, wäre das kein Spaß mehr.

P.P.P.S.: Und dennoch liebe ich den Geruch, den ein aufgeschlagenes Buch in meinen Händen verströmt. Der ist und bleibt unvergleichlich!

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Kein zurück

Das wird mal wieder ein kurzer Beitrag — schadet auch nicht…

Ich bin ein Mensch, der sich gerne alte Fotos aus seiner eigenen Vergangenheit ansieht. Nicht aus einer narzisstischen Neigung heraus, es führt mir nur immer wieder vor Augen, welchen Weg ich bereits hinter mich gebracht habe. Und, noch viel wichtiger, aus meiner jeweils aktuellen Perspektive möchte ich auch nicht mehr zurück zur „alten“ Version meines Selbst.

So, genug für den Moment.

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Für längere Produktzyklen

Ich bin — das muss ich einfach zugeben — ein ziemlicher Apple-Enthusiast. Die Gründe sind einfach, denn als ich mir im Sommer 2005 aus Interesse (an allem) und Faszination (am Formfaktor) einen G4 Mac Mini kaufte, konnte ich noch nicht erahnen, wie sehr mich diese Entscheidung beeinflussen würde. Nach etwas über einem Jahr gönnte ich mir dann meinen ersten iMac, das erste 24″-Modell, das ich bis Ende 2010 benutzte. Ich besitze mehrere iPods, habe nacheinander alle iPad-Modelle benutzt, denn ich sehe das iPad als mein Hauptarbeitsgerät an, da bleibe ich einfach immer am Ball.

Nun zum in der Überschrift angedeuteten Thema: Apple hat über viele Jahre hinweg seinen heutigen Erfolg dadurch vorbereitet, sich nicht vom übrigen Markt zu irgend etwas zwingen zu lassen. Doch in den letzten Jahren hat sich das deutlich spürbar geändert. Mit dem Aufkommen von Android, dem meiner Einschätzung nach offensichtlich abgekupferten, angeblich „freien“ Betriebssystems für Mobiltelefone und (zumindest bedingt) Tablet-Computer, begann ein imaginärer Wettlauf, der teilweise recht unglückliche Entscheidungen mit sich brachte.

Produktzyklen wurden verkürzt, die Qualität in ihrer Bedeutung hinter das Image gestellt. Und das ist eine ganz gravierende Fehlentwicklung. Denn den Wettlauf kann Apple nur verlieren. Apple stellt mit dem iPhone — als dem prominentesten Beispiel — ein absolutes Premium-Produkt in drei Varianten her. Dagegen veröffentlichen Dutzende von anderen Herstellern eine Vielzahl von unterschiedlichen Android-Geräten. Diese sind in vielen Fällen auch gar keine Premium-Produkte, vielmehr handelt es sich um billige Smartphones mit meist eingeschränktem Funktionsumfang bzw. mangelhaftem Nutzererlebnis.

Aber: Es sind viele unterschiedliche Geräte zu einem geringen Preis. Gerade für Jugendliche, die nun einmal auf ihren Geldbeutel achten müssen, weil sie in den meisten Fällen nicht „aus den Vollen schöpfen“ können, sind Android-Handys daher in vielen Fällen die naheliegende Alternative. Von der dadurch ausgelösten Masse an Android-Verkäufen lässt Apple sich zu wilden Manövern antreiben, die frühere Ruhe ist irgendwie nicht mehr da.

Besser für die Qualität und das Erlebnis für alle treuen Apple-Kunden wäre es, einfach die Produkt-Zyklen wieder zu verlängern, Produkte von überlegener Qualität (und gerne auch zum Premium-Preis) herzustellen — und den restlichen Markt getrost zu ignorieren. Das würde mir persönlich wesentlich besser gefallen als die momentane Hektik. Der frühere Erfolg hat das doch bereits viele Male bewiesen.

 

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Vom Nutzen der Langeweile

Man muss schon ein wenig systemisch denken, um den folgenden Gedankengang nachvollziehen zu können.

Ohne ein bisschen Langeweile kann sich Kreativität nicht entfalten – der beste Beweis lebt in dreifacher, nein fünffacher Ausführung bei mir im Haus. Die Rede ist natürlich von meinen Kindern (und uns beiden Erwachsenen), denn an jedem Wochenende zeigen sie wieder das gleiche Verhalten: Nach ein paar Stunden Spielen im Zimmer kommen die Kinder an und maulen lautstark, dass es ihnen „langweilig“ sei.

Meine Frau und ich bieten zuerst ein paar Optionen an, wenn das nicht langt, stellen wir erst einmal die weiteren Angebote ein.

Und dann passiert etwas ganz und gar Eigenartiges: Mit etwas Zeitversatz entwickeln die Kinder selbst Ideen, was sie spielen könnten. Und ganz oft ist das dann ein gemeinsames Spiel. Auf jeden Fall handelt es sich in den meisten Fällen um ein sehr kreatives Spiel.

Nur: Die Kreativität kann sich nur einstellen, wenn es vorher auch eine Phase der Langeweile gibt. Was passiert nun bei Kindern, die den ganzen Tag in ein nicht enden wollendes Programm eingebunden sind? Bei denen sich alltäglich Schule, Mittagsbetreuung, Hausaufgabenbetreuung, Musikschule, Sportverein und dergleichen ohne wirkliche Pausen abwechseln?

Wann sollen diese Kinder (und auch Erwachsenen) jemals die Muse haben, neue Ideen entwickeln zu können? Genau: gar nicht. Dafür ist ja auch keine freie Zeit vorgesehen.

Es gibt ja diesen schönen Spruch, dass man Kreativität nicht erzwingen kann. Das stimmt auch. Man kann sie aber auf jeden Fall vertreiben oder verhindern. Indem man sich durchgehend mit einem vollen Programm „zudröhnt“, sich keine Zeit für mentalen „Leerlauf“ gönnt. Daher gibt es nur eins, was wirklich hilft: Langeweile. Kreativer Leerlauf, aus dem neue Ideen entstehen können…

Also: Rein in die Langeweile!

 

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