Archiv für den Monat Februar 2013

Fünf „altdeutsche Weisheiten“

Im 2011er-Kabarettprogramm von Urban Priol gibt es eine wunderbare Stelle, die ich bei jedem neuen Hören wie beim ersten Mal genieße. Rings um die Passage lässt er sich über die heute oft ins völlig Absurde abgleitende Sinnsuche der modernen Menschen aus, die sich dann beispielsweise fernöstliche Weisheiten zu eigen machen, nur um über die blanke Alltagsexistenz hinaus noch einen weiteren (vermeintlich tieferen) Zweck in ihrem Leben zu spüren.

Aus der Perspektive des Stammtischskeptikers heraus schildert er dann die Situation, wie ein Fremder das Stammlokal betritt und eine Rhabarber-Schorle bestellt. „Ein Mann!“ Und dann fängt der auch noch an, von den „Sieben Tibetern“ zu schwafeln. Doch der Wirt fällt ihm rüde ins Wort:

„So, jetzt will ich dir mal fünf altdeutsche Weisheiten anvertrauen: Sprich, was wahr ist! Trink, was klar ist! Iss, was gar ist! Sammel, was rar ist! Und bums, was da ist!

Herrlich! Ich könnte bei jedem Mal neu laut loslachen (gelegentlich tue ich das auch…).

 

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Veränderte Hörgewohnheiten

Seit einer Woche habe ich einen sechs Jahre alten iPod Shuffle. Vor ein paar Jahren habe ich mich mit einem Schüler, der das gleiche Gerät hatte, einige Zeit unterhalten. Dabei kam heraus, dass ich damals mit dem iPod Shuffle überhaupt nicht glücklich geworden wäre, denn damals — und zum Teil auch heute noch — bin ich eher ein Albumhörer.

Wenn ich Musik höre, suche ich mir ein Album aus, das ich dann von vorne bis hinten durchhöre. Das entspricht meiner musikalischen Sozialisation, denn ich komme nun einmal eher aus dem Eck der Rockmusik. Im Gegensatz zu vielen Pop-Alben, die oft eine mehr oder weniger wahllose Zusammenstellung einzelner Stücke darstellen, sind viele Rock- und Heavy Metal-Alben in gewisser Weise zusammengehörig (so etwas nennt man dann „Konzeptalbum“) — die Bands haben also viel Arbeit und Hirnschmalz investiert, um ein geschlossenes Werk zusammenzustellen.

Als Teenager habe ich die Alben also immer komplett gehört. Und bei dem oben bereits erwähnten Gespräch mit meinem Schüler war das prinzipiell immer noch meine Herangehensweise. Da wäre der iPod Shuffle also nichts für mich gewesen.

Nun habe ich das Teil aber hier und genieße ihn in vollen Zügen. Wie es dazu kam? Die Genius-Funktion in iTunes! Diese intelligente Methode, via Crowd Sourcing passende Playlists zu erstellen, hat mich wirklich eingefangen. Ich suche mir ein Stück, auf das ich gerade Lust habe, starte den Song und aktiviere die Genius-Funktion. Und ca. 95 % der dann ausgewählten Songs gefallen mir bzw. werden von mir als passend empfunden.

Auf diese Weise haben sich in den letzten paar Jahren meine Hörgewohnheiten etwas verändert. Ich höre jetzt — im absoluten Gegensatz zu früher — auch gerne mal Radio. Und deshalb taugt mir der iPod Shuffle jetzt. Auf dem Gerät sind eigentlich nur Songs, die mir prinzipiell gefallen, insgesamt ein ganzes GB voll (vor sechs Jahren war das noch ziemlich viel). Also stelle ich das Gerät auf Zufallswiedergabe und mache mich an die Arbeit oder gehe Holz Hacken oder den Hof vom Schnee befreien… Die Musik ist immer dabei und passt. Hmmmmmmmmmm…

 

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Endlich Wochenende!

Ich lese täglich in meiner Twitter-Timeline. Dort haben sich in den letzten Monaten einige schöne Rituale breit gemacht, die mir in gewisser Weise ans Herz gewachsen sind. Unter anderem gehören dazu die üblichen Montags-Verwünschungen und die Freudenschreie, wenn Wochenenden oder Feiertage anbrechen.

Mir gefällt das, denn ich kann es gut nachvollziehen. Für mich sind Montag und Dienstag die längsten Arbeitstage der Woche — kaum nötig zu erwähnen, dass ich jedes Mal aufs Neue heilfroh bin, wenn sie endlich vorbei sind. Und das, obwohl ich mit keiner einzigen Klasse, die ich an den beiden Tagen unterrichte, ein Problem hätte. Eher im Gegenteil!

Es sind nicht die Klassen, und es ist nicht der Montag oder der Dienstag an sich. Es ist schlicht und einfach die brutale Ballung, wenn man von 6:55 h (da renne ich bei Schnee aus dem Haus, um den Bus zu erwischen), oder 7:10 h (da zische ich mit dem Fahrrad bei jedem anderen Wetter zur Schule los), bis 15:35 h durchgehend am Schaffen ist. Und danach steht ja immer noch die Vorbereitung für den folgenden Tag an…

Ich will jetzt nicht meckern, denn alles in allem habe ich es immer noch sehr gut getroffen — auf jeden Fall habe ich eine hohe Arbeitszufriedenheit –, eigentlich wollte ich nur zeigen, warum ich den bereits erwähnten Twitter-Ergüssen durchaus etwas abgewinnen kann, wo manch anderer vermutlich sagen würde: „Zu langweilig!“

So, und jetzt geht's sofort ab ins Wochenende! #Wochenende

 

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Gedanken zur Fastenzeit

Mit Sicherheit gehöre ich nicht zu den religiösen Menschen, mein Alltag wird kaum von der Tatsache geprägt, dass ich — zumindest auf dem Papier — katholisch bin. Aber seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich immer gefastet — allerdings auf unsere eigene Weise. Um das verstehen zu können, muss ich ein klein wenig ausholen…

Wir halten beide nichts von einem „kompletten“ Fasten, bei der man sich überhaupt nichts gönnt, denn aus der Psychologie wissen wir ganz genau, dass sich dann erst recht die „gefährlichen“ Gelüste, die zu Heißhunger-Attacken und einem ins Groteske übersteigerten Hunger auf Süßes führen, einstellen. Daher verzichten wir von Montag bis Freitag auf Süßigkeiten (und anderen Knabberkram). Am Wochenende dagegen ist es in Ordnung, derlei Junkfood zu vertilgen.

Und tatsächlich, es funktioniert sehr gut. Was ich an dieser Art des Fastens mag, ist die auf den ersten Blick sehr simple, bei genauer Betrachtung aber durchaus weitreichende Tatsache, dass wir dabei unsere im Verlauf eines Jahres eingefahrenen Essgewohnheiten (hinsichtlich der Süßigkeiten und Knabbersachen) auf „Null“ fahren und von da aus neu starten können.

Mein Problem ist nämlich, dass ich nach einem langen Arbeitstag gerne auf der Couch sitze, eine Star Trek-Folge (oder einen Film) ansehe oder ein gutes Buch lese und mir etwas Süßes einverleibe. Nur bleibt es nie bei „etwas“. Im Verlauf eines Kalenderjahres — und jedes einzelne ist voll von Anlässen (wie Geburtstagen, Jubiläen, Familienfesten, Hochzeiten…), jegliche fresstechnischen Hemmungen über Bord zu werfen — wird aus dem „etwas“ immer ein „viel“, und das ist dann der Normalfall.

Ohne zusätzliches Sportprogramm würde ich vor allem in der Zeit zwischen Weihnachten und Fasching völlig aus dem Leim gehen. Doch ich halte mein Gewicht seit mehr als zwei Jahren innerhalb eines 4 kg-Spielraums, worauf ich auch stolz bin, denn dieser Spielraum liegt ca. 20 kg unter dem Gewicht, das ich vorher ein ganzes Jahrzehnt mit mir herumschleppte.

Gerade aus dieser Perspektive heraus bin ich sehr sensibilisiert für mein eigenes Körperempfinden und nehme mein Essverhalten sehr genau wahr. Und ich merke durchaus, wie mir die Kontrolle im Lauf eines Jahres immer wieder ein Stück weit entgleitet. Daher gehe ich völlig bewusst und entschlossen in die Fastenzeit, denn ich weiß, wie dringend ich diesen „Reset“-Knopf brauche.

Wer ähnliche Erfahrungen hat, kann mir gerne einen Kommentar schreiben, gerne auch einen Tweet (@solera_1847).

 

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Klo-Lektüre 2

Wie vor kurzer Zeit versprochen werde ich heute eines der Bücher kommentieren, das ich in letzter Zeit gelesen habe. In diesem Fall geht es um „Hirn ist aus!“ von Urban Priol.

Als großer Fan von Urban Priol habe ich die Mehrzahl (eventuell sogar alle) seiner Audioprogramme in meiner iTunes-Bibliothek sowie alle „Tilt!“-Folgen (jeweils ein ca. dreistündiger Jahresrückblick) seit 2004 auf DVD. Manche davon könnte ich mir täglich zu Gemüte führen, denn sie sind herrlich sarkastisch, für mich stehen er und Volker Pispers auf der gleichen Stufe — und das ist ein großes Lob.

Da ich die ganzen Programme schon kannte, war das Lesen des Buchs leider nicht ganz so spannend, denn Urban Priol verwendet — und das halte ich auch für gut so — immer wieder feste Versatzstücke. Ohne diese festen Bestandteile würde einem nach fast drei Stunden „Tilt!“ derart der Kopf schwirren, es wäre schier unerträglich.

Wenn man aber nun wie ich alles schon mehrfach (zum Teil unzählige Male) gehört und gesehen hat, dann bietet das Buch leider nicht extrem viel Neues. Nur ca. ein Drittel des Buches war aus mir unbekanntem Material zusammengestellt.

Beruhigend für weitere Interessenten an diesem sehr intelligenten und spannenden politischen Kabarett ist wohl vor allem die Tatsache, dass wohl kaum jemand sonst (außer meiner Frau, die es hier in meiner Gegenwart so oft erdulden musste) die Programme so gut kennt. Insofern kann ich gleich entwarnen: Wer nicht schon sämtliche Priol-Programme seit 2007 gesehen hat, wird auf jeden Fall viel neues Material entdecken. Viel Spaß beim Lesen!

P.S.: Anders als bei einem Roman lohnt es sich bei politischem Kabarett einfach nicht, eine Inhaltsangabe dieses Buches auch nur zu versuchen, denn darin werden praktisch alle gesellschaftlichen Themen berührt und — je nach Idiotie des politischen Umgangs damit — durch den Kakao gezogen…

 

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Klo-Lektüre 1

Ich gebe es zu: Ich lese häufig und gerne auf dem Klo. Wie vermutlich viele andere Menschen empfinde auch ich das als entspannend, außerdem ist es eine kurze Ruhepause in meist recht vollgestopften Arbeitstagen. Ein gutes Buch, eine Zeitschrift, mein iPad — irgend etwas zu lesen ist (fast) immer greifbar.

Wenn man sich auf Twitter umsieht, so scheint es eine ganze „Generation WC-Twitterer“ zu geben, die ihren halben Smartphone-Akku auf der Toilette verbrauchen, dort durch die überquellende Timeline scrollen und ihren virtuellen Senf zu allem und jedem abgeben.

Unter der Überschrift „Klo-Lektüre“ werde ich in Zukunft in garantiert unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal etwas über ein gerade von mir gelesenes Buch von mir geben. Kurz und bündig, hoffentlich unterhaltsam. Man darf also gespannt sein, denn bald geht es mit dem ersten „richtigen“ Beitrag los.

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