Never change a running system

Vor ca. fünf Jahren (2007) brachte Apple eine sog. Set-Top-Box namens AppleTV heraus. Dieses Gerät war eigentlich nichts anderes als ein iTunes-Frontend, also ein sehr kleiner Computer, auf dem eine leicht abgespeckte Variante des damaligen Mac OS X mit einer einzigen für den Benutzer sichtbaren App – iTunes (bzw. Frontrow) – lief. Zuerst wurde das Gerät in der Apple-Gemeinde mit einiger Zurückhaltung aufgenommen, denn die erste Variante bot nur 40 GB Festplattenplatz (also sehr wenig für Leute wie mich, die allein schon mindestens 120 bis 150 GB Musikdateien haben, Filme verschlingen schnell noch einmal die zehnfache Menge). Doch schon nach kurzer Zeit wurde die erste Hardware-Überarbeitung vorgestellt: AppleTV mit 160 GB Festplatte. Da schlug ich zu und kaufte mir das Gerät für satte 399 €. Keinen Cent davon habe ich je bereut, keinen einzigen!

Seit dieser Zeit ist das AppleTV der zentrale Medienabspieler in unserem Haushalt. Ein DVD-Player wirkt im Vergleich dazu so umständlich, dass dieses Gerät mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Eigentlich lief das AppleTV Tag und Nacht, meist ohne eingeschalteten Fernseher (auch wenn ich den Bildschirmschoner tagelang hätte ansehen können). Irgendwann brachte Apple die Remote-App heraus, die eine Steuerung via iPad (oder iPod Touch/iPhone) ermöglichte. Obwohl es immer ein paar Ecken und Kanten bei dieser App gab, befreite sie den Nutzer von dem Zwang, für jeden neuen Musikwunsch oder den Wechsel des Hörbuchs den Fernseher einzuschalten. Sehr schön und überaus praktisch.

Dann kam das AppleTV 2 heraus. Doch die beiden Geräte sind komplett unterschiedlich, denn wo das AppleTV der ersten Generation eine (für damalige Verhältnisse) ausreichend große Festplatte besaß, entsprach das neue Gerät nur noch einer Durchgangsbox für jeglichen Datenstrom von iTunes (also von einem Computer, der dazu im Hintergrund durchweg laufen musste) oder für Daten, die via AirPlay von einem iPad, iPodTouch oder iPhone gesendet wurden. Eigentlich ein geniales Konzept, denn die Festplatte im „alten” AppleTV läuft ja ständig und heizt das Gerät gnadenlos auf (auf der Oberseite kann man ohne Übertreibung nach einem Betriebstag ein Ei stocken lassen). Der Stromverbrauch ist in dieser Zeit um ein Vielfaches höher als bei dem neuen Gerät, das nur noch über 8 GB Flashspeicher verfügt (da gibt es keine beweglichen Teile, die Hitze erzeugen) und eigentlich nur für die Aufbereitung der Daten für das angeschlossene Endgerät zuständig ist.

Da mein aTV 1 noch so gut funktionierte, kaufte ich erst einmal kein neues Gerät. Ich ging aber zu einem lokalen Apple-Laden und bat die Jungs, einfach eine größere Festplatte einzubauen. Für ca. 150 € bekam ich dann 320 GB und den Einbau (inkl. Klonen der 160 GB-Platte mit dem aTV-Betriebssystem auf die neue). Wiederum ein Zug, den ich nie bereuen musste, denn nun habe ich wirklich genug Platz, um auf jeden Fall dauerhaft meine komplette Musiksammlung, alle abonnierten Podcasts und einige meiner Lieblingsfilme auf dem Gerät zu lassen. Alles Weitere kann ich direkt von iTunes auf das Gerät streamen, die Bedienung erfolgt über die kleine AppleRemote oder die Remote-App. Schlicht sensationell.

Irgendwann aber, als das AirPlay-Feature im iPad immer attraktiver wurde (z.B. durch das umwerfende AirPlay-Mirroring), legte ich mir doch ein AppleTV der zweiten Generation zu (bei Amazon gab es die gebraucht für 90 €, die Investition war also nicht gravierend). Auch dieses Gerät hat es mir angetan, doch möchte ich schildern, warum ich aktuell mein „altes” aTV 1 (wieder) bevorzuge.

Das aTV 2 ist ein feines Gerät, so ziemlich alles daran ist komfortabel, keine Frage. Aber (und das ist mal wieder ein großes Aber): Um das Gerät sinnvoll einsetzen zu können, muss mein iMac durchweg eingeschaltet sein. Dadurch verbraucht das aTV 2 an sich zwar weniger Strom als das aTV 1, der iMac benötigt aber wiederum mehr, so dass die Energiebilanz insgesamt also schlechter aussieht. Noch wesentlich bedeutsamer ist jedoch die Tatsache, dass es einen Bug im aTV 2 (und laut diversen Foreneinträgen auch beim aTV 3) gibt, der den Filmstream bei der Benutzung der Privatfreigabe in iTunes immer und immer wieder abreißen lässt.

Ich kann gar nicht zum Ausdruck bringen, wie lästig es ist, nach drei Minuten Film darauf hingewiesen zu werden, dass ich ich nun endlich die Privatfreigabe in meinen Rechner aktivieren solle. Was dem Gerät aufgrund des Bugs nicht mehr bewusst war: Ohne diese Privatfreigabe hätte ich den Film ja gar nicht starten können. Daran kann es eigentlich nicht liegen. Dennoch vergisst das aTV 2 dies anscheinend noch während des Streamens, nach dem zweiten oder dritten Filmabbruch vergeht einem dann die Lust – so landeten bei uns wieder mehr DVDs im Player.

Am unangenehmsten an dieser Situation ist, dass man als Apple-Nutzer nicht an solche Pfuschereien gewöhnt ist – oder dass der Pfusch sehr schnell behoben wird. Dieser Bug besteht nun aber schon seit dem ersten Erscheinen der zweiten Generation des AppleTV. Es gab auch schon ein paar Software-Updates, beim letzten (April/Mai 2012) wurde explizit ein Bugfix für die Privatfreigabe genannt. Geholfen hat es nichts. Der einzige Weg, ganz und gar ungestört einen Film über dieses Gerät anzusehen, ist der folgende: Mittels der Remote-App kann man nicht nur das aTV steuern, man kann auch direkt auf iTunes auf dem iMac zugreifen – und dort einen Film starten, den man dann aber nicht über den Computer ausgeben lässt sondern über das aTV 2. Das funktioniert tadellos, ist aber halt aufgrund der Umständlichkeit nicht typisch für Apple-Produkte (noch dazu macht es die mitgelieferte Fernbedienung völlig nutzlos).

Vor einer Woche nun reaktivierte ich mein aTV 1, ein wahrhaft nostalgisches Gefühl. Und es fühlt sich gut an, denn nun muss kein Rechner dauerhaft im Hintergrund laufen, das aTV hängt an einer separat abschaltbaren Steckdose, abends fahre ich das Gerät in den Ruhezustand und schalte den Strom ab. Kein Problem. Und dank der Festplatte läuft alles ohne Zicken aufgrund der Privatfreigabe – hmmmm, ein Genuss! Lustigerweise kann ich hier auch mittels der Remote-App Filme vom iMac streamen, so es denn nötig wird, weil der Film noch nicht auf der Festplatte gelandet ist…

Mein aTV 2 wird dadurch nicht überflüssig, denn einige meiner Meinung nach sehr angenehme Dinge – wie das oben bereits erwähnte AirPlay-Mirroring (also das Spiegeln des iPad-Bildschirms auf den Fernseher) – gehen halt nur mit dem neueren Gerät. Für den alltäglichen Musikgenuss ist das aTV 1 jedoch eindeutig wieder im Vorteil, da ich nach dem anfänglichen Synchronisieren eine weitgehende Unabhängigkeit von meiner iTunes-Mediathek auf dem Computer habe.

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